Das Thema Sicherheit wird in Deutschland immer wichtiger. 2024 hat die Bundesrepublik erstmals die von der NATO vereinbarten zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgegeben, dieses Jahr könnte die Summe weiter steigen.
Dass die Branche boomt, zeigt sich auch auf der Enforce Tac in Nürnberg. Das ist eine Fachmesse für Behörden, Militär und Sicherheitskräfte mit dem Fokus auf polizeiliche und militärische Ausrüstung. Von Montag bis Mittwoch stellen rund 1.000 Unternehmen aus mehr als 30 Ländern hier unter anderem Panzer, Drohnen und Schutzhelme aus. Im vergangenen Jahr waren es 730 – der Boom ist deutlich zu spüren.
Unternehmen merken Rüstungsboom
Seit der 2022 von Bundeskanzler Olaf Scholz ausgerufenen "Zeitenwende" passiert etwas in der Branche, erklären die Firmen. Lange Zeit wurde wenig in die Bundeswehr und andere Institutionen investiert, nun ziehe das Geschäft an. Rheinmetall profitiert jetzt schon vom erhöhten Verteidigungsetat der Bundesregierung. "Wir haben die Produktion erhöht", sagt Pressesprecher Jan-Philipp Weißwange. Und auch am Aktienmarkt spiegelt sich das wider: Die Rheinmetall-Aktie hat sich seit dem Start des Angriffskriegs gegen die Ukraine fast verzehnfacht. Weißwange sagt: "Mein Eindruck ist, dass aktuell auch viele andere versuchen, sich in dem Markt zu engagieren." Trends bei den Unternehmen seien laut Weißwange: "Vernetzung, Digitalisierung und unbemannte Systeme, zum Beispiel Drohnen."
Drohnen: Größte Bedrohung im Ukraine-Krieg
Wegen letzterer ist auch Michael auf der Messe. Michael, der am liebsten nur beim Vornamen genannt werden will, ist Feuerwehrmann und fährt in seinem Urlaub regelmäßig an die ukrainische Frontlinie, um dort verletzte Soldaten und Zivilisten in Sicherheit zu bringen und medizinisch zu versorgen. "Die Bedrohungslage wird immer ernster", erzählt er. "Immer mehr Menschen werden durch Drohnen verletzt. Russland greift damit gezielt die Orte an, an denen sich Zivilisten aufhalten." Von Drohnen gehe seiner Einschätzung nach in der Ukraine aktuell die größte Gefahr aus. "Die sind sehr schnell und man erkennt sie schlecht. Und Russland greift damit auch uns Sanitäter gezielt an." Auf der Messe will Michael sich darüber informieren, wie sich sein Team besser vor Drohnen schützen kann.
Zentrales Thema: Beschaffung
Neben den Trend-Themen Drohnen und KI gehe es in diesem Jahr auf der Messe vor allem darum, eine Gesprächsplattform in Form von zwei Symposien zu bieten, heißt es. Bei einem geht es um das Thema Beschaffung. Luisa Seibt, Pressesprecherin der Enforce Tac, erklärt: "Aktuell wäre es unter den geopolitischen Umständen so, dass einige NATO-Länder innerhalb kurzer Zeit munitionslos wären." Dabei seien die Produktionskapazitäten der Firmen noch nicht ausgeschöpft. Wie viel Munition die Nato-Länder genau haben, ist geheim. Allerdings geht aktuell vieles davon an die Ukraine. Die Bestände müssen "kontinuierlich aufgefüllt werden", erklärte das Verteidigungsministerium. Die Folgen haben Rheinmetall im vergangenen Juli den größten Auftrag der Firmengeschichte eingebracht: Die Bundeswehr habe einen Rahmenvertrag für Artilleriemunition im Wert von bis zu 8,5 Milliarden Euro ausgestellt.
Die zweite Bühne bekommt die Nordische Verteidigungskooperation. Deutschland und Länder wie Finnland, Dänemark oder Norwegen wollen enger zusammenarbeiten. "Die nordischen Länder sind ja teilweise noch gar nicht so lange Teil der NATO. Hier können sie sich mit Deutschland austauschen", erklärt Seibt. Bei den Gesprächen gehe es um Wissenstransfer, aber auch um gemeinsame Anschaffungen. Beispielsweise haben Deutschland und Norwegen 2021 einen Vertrag unterzeichnet, um gemeinsam sechs U-Boote zu bestellen. Christian Wildhagen, Initiator des "German Nordic Defence Industry Dialogue" ergänzt: "Die Industrie braucht schnelle Entscheidungen, um die Dinge zu produzieren, die dann gefordert sind."
Neuer Aussteller: USK-Freundeskreis Mittelfranken
Die Enforce Tac findet heuer bereits zum zwölften Mal statt und es geht dabei nicht nur um das Militär, sondern auch andere Sicherheitskräfte. In diesem Jahr zum ersten Mal vertreten ist der USK-Freundeskreis Mittelfranken (USK: Unterstützungskommando). Die rund 100 Mitglieder setzen sich für Beamte und deren Familien in Not ein. Außerdem wollen sie für mehr Verständnis für die Beamten werben. "Wir sind nicht da, um jedem, der nicht schnell genug wegrennt, eine mitzugeben. Wir sind da, um die Demokratie zu schützen."
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